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Kultur als Lebensmittel

David Großmann
Kommt ein Pferd in die Bar.
Übersetzung: Anne Birkenhauer(2016)

pferdekopf

Ein Romantitel in Anlehnung an einen Kneipenwitz? Tatsächlich baut der bekannte Autor (er verlor im Libanonkrieg einen seiner Söhne) den Roman raffiniert und pointiert auf wie einen gut erzählten Witz: Der Stand-up-Comedian Dovele Grinstein bemüht sich an seinem 57. Geburtstag die Erwartungen seines Publikums im Kellerlokal der israelischen Stadt Netanja zu erfüllen. Immer wieder flicht er unterschiedlichste Witze in sein Programm ein. Wegen seiner artistisch und skurril vorgetragenen tragischen Erinnerungen verlassen im Laufe des Abends Menschen  in größeren und kleineren Gruppen die Vorstellung. Erinnerungen und Ängste plagen den Großteil von ihnen ohnehin, sie wollen abgelenkt und unterhalten werden. Einige von ihnen kennen den Künstler seit ihrer Kindheit, einige scheinen mit ihm verwandt zu sein.
Erzählt wird aus der Perspektive seines Jugendfreundes, Avishai Lazar, eines pensionierten Juristen. Seit der dramatischen Situation, als sie beide 14 Jahre alt waren, verdrängt er, dass er Dovele damals nicht zur Seite stand. Vor kurzem  erhielt er einen Telefonanruf mit der Bitte, in diese Vorstellung zu kommen.In selbstzerstörerischem Tempo führt der Künstler u.a. vor, wie er seit frühester Kindheit seine durch die Shoah schwer traumatisierte Mutter mit kleinen komödiantischen Vorführungen manchmal zum Lächeln brachte. Das auf den Händen Laufen entwickelte er zu einer solchen Perfektion,  dass diese Körperhaltung auch ihm Schutz vor Kränkungen  bot.
Diese Form der Fortbewegung setzt er auch an jenem Tag ein, als er nach einer wilden Parforce-Fahrt mit einem Militärfahrzeug vom Jugendcamp bei der Beerdigung in Jerusalem  ankommt. . . .

Ein faszinierendes und berührendes Buch; der „Zauberer“ entblößt sein Ich, das imaginierte Publikum und zieht uns Lesende in seinen Bann.  

http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/
buecher/in-der-eigenen-hoelle/story/19836217

https://cms.falter.at/falter/rezensionen/
buecher/?issue_id=622&item_id=
9783446250505

http://derstandard.at/2000031832494/David-Grossmans-Kommt-ein-Pferd-in-die-Bar-Alles-andere

http://oe1.orf.at/artikel/436162

Interview
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/
buecher/autoren/david-grossman-im-gespraech-ich-bin-verbannt-auf-die-insel-der-trauer-12698504-p4.html

 

Sprache & Identität

nua ka schmoez ned how e xogt!
nua ka schmoez . .
aus:
h.c. artmann: med ana schwoazzn dintn. salzburg. 1958. s 7

Es tut keiner Muttersprache weh, wenn ihre Zufälligkeiten im Geschau anderer Sprachen sichtbar werden. Im Gegenteil, die eigene Sprache vor die Augen einer anderen zu halten, führt zu einem durch und durch beglaubigten Verhältnis, zu einer unangestrengten Liebe.
Herta Müller, Aus: Der König verneigt sich und tötet. Carl Hanser Verlag, München Wien   2003

Dafür entpuppten sich die Italiener aus dem italienischen Restaurant nebenan als Griechen. Nachdem sie den Laden übernommen hatten, waren sie zur Volkshochschule gegangen, um dort Italienisch zu lernen, erzählten sie mir . . .
Berlin ist eine geheimnisvolle Stadt . . .   Nichts ist hier echt, jeder ist er selbst und gleichzeitig ein anderer.
Wladimir Kaminer. Geschäftstarnungen   Aus: Russendisko, 1. Aufl. 2002. S. 97 ff