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Kultur als Lebensmittel

John Gabriel Borkman nach Henrik Ibsen von Simon Stone

Koproduktion Wiener Festwochen und Theater Basel  (2015, Wiederaufnahme 2018)

ibsen

Der Vorhang öffnet sich langsam: dichte Schneeflocken, der Bühnenboden bereits zentimeterhoch mit Schnee bedeckt, der restliche Bühnenraum im Rohzustand.

Die Schnee-Kälte-Winter-Metapher drängt sich auf: Der norwegische Autor verfasste das „Schauspiel in vier Akten“ 1896 im heutigen Oslo, die Uraufführung fand im Jänner 1897  in Helsinki statt. 
Die erste Regieanweisung im Originaltext lautet:
Das Stück spielt an einem Winterabend auf dem Familiengute der Rentheims nahe der Hauptstadt.

Gunhilds Alkoholsucht, der Bankrott und die Haftstrafe ihres Gatten, John Gabriel Borkman (Martin Wuttke), die Weigerung ihres Sohnes Erhart, sich den Wünschen seiner Mutter und deren Zwillingsschwester Ella (Caroline Peters) zu beugen und die Verflechtung weiterer Personen in die fehlgeleiteten „Visionen“  des ehemaligen Bankiers haben die völlige „Vereisung“  der zwischenmenschlichen Beziehungen zur Folge.
Der Großteil der Kommunikation besteht auch in Ibsens „Original“-Text aus hingeschleuderten Halbsätzen oder Satzpartikeln. Erst spät werden Sätze wie die folgenden möglich:
Ella. Es war wohl mehr die Kälte, die ihn tötete.
Frau Borkman schüttelt den Kopf. Die Kälte, sagst Du? Die Kälte, – die hatte ihn schon längst getötet.
Ella nickt ihr zu. Ja, – und uns beide in Schatten verwandelt.
Frau Borkman. Da hast Du recht.
Ella mit schmerzlichem Lächeln. Ein Toter und zwei Schatten, – das war die Frucht der Kälte.
Frau Borkman. Ja, die Herzenskälte. . . .

Henrik Ibsen musste als Kind den Bankrott der Firma seines Vaters und den Abstieg der einst angesehen Familie miterleben. Diese Erfahrung ist in vielen Werken des Autors erkennbar.

Der junge, Ibsen-erfahrene Regisseur (2013 Wiener Festwochen „Die Wildente“, 2015 Film The Daughter, basierend auf Ibsens wild duck)
nützt die Parallelen zum heutigen ungebremsten Wachstums- und Gewinnstreben und zu der zerstörerischen Kraft der Finanzspekulation.
Die gefesselten Millionen lagen im ganzen Land und riefen nach mir! Schrien danach, befreit zu werden!
Die tragischen Auswirkungen für viele Bevölkerungsgruppen stellt der Regisseur in grotesker, schriller Überzeichnung dar und bezieht sich auf eine Textstelle im 2. Aufzug:
Foldal. O, welch fürchterliches Trauerspiel –
Borkman nickt ihm zu. So fürchterlich fast wie Deines, wenn ich es mir recht überlege.
Foldal arglos. Ja, mindestens so fürchterlich.
Borkman lacht leise. Aber von einer andern Seite betrachtet, ist es doch auch wieder eine Art Komödie.
Foldal. Komödie? Das?
http://gutenberg.spiegel.de/buch/john-gabriel-borkman-1714/5

Dieser Deutung folgend, krabbelt Gunhild Borkman (Birgit Minichmayr) in wehendem, transparentem Gewand unter der Schneedecke hervor. Klage- und Schimpftiraden entströmen der leicht wankenden Person. Die Begriffe entstammen unserer Handy- Internet-Zeit, die neuen Medien haben die Symptome der Ibsen-Ära noch verstärkt.
Später werden aus dem Schnee diverse Utensilien, u.a. ein Telefon mit Wählscheibe hervorgezogen. Weitere Personen tauchen auf . . .
Satz  für Satz enthüllen sich die Komponenten,  die im Laufe vieler Jahre das Leben der Beteiligten zerstörten. Alle blieben in ihren überkommenen  gesellschaftlichen Normen stecken. Diese Inszenierung entlarvt sie mit bitterem Humor. Musik (Bernhard Moshammer) intensiviert die Atmosphäre.
Vor dem blauen Vorhang, jenseits der Schneelandschaft, verabschiedet sich der zwischen Gunhild und Ella  im Sterben liegende Borkman mit dem Victory-Zeichen.

Regietheater im besten Sinn. Großer Jubel des begeisterten Publikums.

https://www.burgtheater.at/de/spielplan/produktionen/john-gabriel-borkman/termine/2018-05-12/976812832/

Trailer:
https://www.youtube.com/watch?
v=OTlpYoFiz5w

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/
kultur/buehne/754571_Tragikomoedie-der-Lebensluegen.html?em_cnt_page=2

https://kurier.at/kultur/wiener-festwochen/john-gabriel-borkman-highspeed-highway-fuer-ibsen/133.389.067

https://www.nachtkritik.de/index.php?option
=com_content&view=article&id=8157:the-wild-duck-die-ibsen-bearbeitung-des-australischen-regisseur-simon-stone-bei-den-wiener-festwochen&catid=127&Itemid=100190

 

Sprache & Identität

nua ka schmoez ned how e xogt!
nua ka schmoez . .
aus:
h.c. artmann: med ana schwoazzn dintn. salzburg. 1958. s 7

Es tut keiner Muttersprache weh, wenn ihre Zufälligkeiten im Geschau anderer Sprachen sichtbar werden. Im Gegenteil, die eigene Sprache vor die Augen einer anderen zu halten, führt zu einem durch und durch beglaubigten Verhältnis, zu einer unangestrengten Liebe.
Herta Müller, Aus: Der König verneigt sich und tötet. Carl Hanser Verlag, München Wien   2003

Dafür entpuppten sich die Italiener aus dem italienischen Restaurant nebenan als Griechen. Nachdem sie den Laden übernommen hatten, waren sie zur Volkshochschule gegangen, um dort Italienisch zu lernen, erzählten sie mir . . .
Berlin ist eine geheimnisvolle Stadt . . .   Nichts ist hier echt, jeder ist er selbst und gleichzeitig ein anderer.
Wladimir Kaminer. Geschäftstarnungen   Aus: Russendisko, 1. Aufl. 2002. S. 97 ff