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Nov. 2014

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Tiziano Scarpa

 

Kultur als Lebensmittel

Kurt Palm »Strandbadrevolution« (2017)

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Der 1955 in Vöcklabruck geborene, promovierte Germanist (1983 Vom Boykott zur Anerkennung. Brecht und Österreich) und vielseitig kreative Erneuerer diverser literarischer, musikalischer und filmischer Sparten überrascht in diesem Jahr das Lesepublikum mit einem Roman.
Die Handlung spielt im Sommer 1972 in einem Ort in der Provinz und weist einige Berührungspunkte mit der Biografie des Autors auf – z.B. die 1944 aus Jugoslawien geflohenen Großeltern und Eltern. Das Familienleben, Freunde, ein Inder, der im Kraftwerk ein Praktikum absolviert, Kleidung, die Haartracht, Songtexte (immer wieder Rolling Stones), Zeitungsberichte über den Vietnamkrieg (oft aus der „Volksstimme“), die aus einer Buchhandlung entwendeten, prestigebringenden Bücher von Camus, Sartre, Adorno etc, Filme, Konzerte lokaler Bands und der Plan zu einer „Aktion“  vermitteln die Atmosphäre der Welt, in der sich die Jugendlichen bewegen.    
Die im Herbst drohende Nachprüfung in Französisch wird angesichts der vielen im Strandbad weilenden, attraktiven Mädchen schnell vergessen.
Wenn es am schönsten ist, muss einer mit noch längeren Haaren antanzen und einem das Mädchen ausspannen: „Der kommt sicher von auswärts, dachte ich geschockt, vielleicht sogar aus Wels.“ (S. 96)
Früh tauchen im Text kursiv gesetzte Schreibversuche des Ich-Erzählers auf. Sie werden ausführlicher, handeln von 1979 und 1984 und enden schließlich immer mit den Worten:  Aber das konnte ich im Sommer 1972 natürlich nicht wissen.
Die Ausblicke verleihen den Ereignissen dieses Sommers eine erweiterte, auch tragische Perspektive. Die teilweise ironisch gefärbte Erzählweise (Campingurlaub in Jugoslawien) macht klar: Es gibt keinerlei Anlass, diese Zeit zu romantisieren.
http://www.palmfiction.net/blog/about/

Rückblick – eine kleine Auswahl
1989 – 99 Produktionen des Sparvereins die Unz-Ertrennlichen
1994-96  TV-Produktion: "Phettbergs nette Leit Show"
Film-Dokumentationen aus ungewohntem Blickwinkel, im neuen Tonfall:
Adalbert Stifter (2003)  Der Schnitt durch die Kehle.
http://www.fischerfilm.com/produktionen/der-schnitt-durch-die-kehle/
W.A. Mozart  (2004)  Der Wadenmesser oder das wilde Leben des Wolfgang Mozart.
Interview: http://www.austrianfilms.com/news/

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Beide Filme um €9,99:  
http://shop.orf.at/1/shop.tmpl?
art=3674&lang=DE 

Immer wieder: Gmundner Festwochen:
derstandard.at/2000042542262/Kurt-Palm-Von-
Skandalen-und-Liebesgedichten


Sein Bestseller "Bad Fucking" (2010) wurde 2011 mit dem Friedrich Glauser-Preis für den besten deutschsprachigen Krimi des Jahres ausgezeichnet.
https://www.hanser-literaturverlage.de/autor/kurt-palm

 


Sprache & Identität

nua ka schmoez ned how e xogt!
nua ka schmoez . .
aus:
h.c. artmann: med ana schwoazzn dintn. salzburg. 1958. s 7

Es tut keiner Muttersprache weh, wenn ihre Zufälligkeiten im Geschau anderer Sprachen sichtbar werden. Im Gegenteil, die eigene Sprache vor die Augen einer anderen zu halten, führt zu einem durch und durch beglaubigten Verhältnis, zu einer unangestrengten Liebe.
Herta Müller, Aus: Der König verneigt sich und tötet. Carl Hanser Verlag, München Wien   2003

Dafür entpuppten sich die Italiener aus dem italienischen Restaurant nebenan als Griechen. Nachdem sie den Laden übernommen hatten, waren sie zur Volkshochschule gegangen, um dort Italienisch zu lernen, erzählten sie mir . . .
Berlin ist eine geheimnisvolle Stadt . . .   Nichts ist hier echt, jeder ist er selbst und gleichzeitig ein anderer.
Wladimir Kaminer. Geschäftstarnungen   Aus: Russendisko, 1. Aufl. 2002. S. 97 ff